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Cover, Nie weit genug

Frei wie ein Vogel


will sie sein. Auf eigene Faust reist die junge Marleen nach Amerika – sorglos, ohne feste Pläne, nur mit einer Reisetasche, etwas Geld und einem Talisman.

Brennendes Fernweh, Lebenshunger und Sehnsucht nach dem Unbekannten treiben sie am Pazifik entlang Richtung Süden.

Schnell findet sie Gleichgesinnte und schließt Freundschaften. Doch ihre inneren Dämonen begleiten Marleen auf Schritt und Tritt. Nirgendwo hält es sie lange, bis die Begegnung mit der geheimnisvollen Giuliana ihr Leben für immer verändert.

Sie ignoriert alle Warnsignale und gerät in eine lebensgefährliche Abwärtsspirale aus Lügen, Verbrechen und Gewalt …

„Da kennt man jemanden seit der Schulzeit und meint, viel von ihr zu wissen. Ich habe nicht im Geringsten geahnt, wie viel Lebens- und Liebeslust, Sehnsucht, Abenteuer und vor allem auch Drama sie auf ihren Reisen erlebt hat. Ein packender Roman! Und ich stehe mit offenem Mund da. Hätte sie mir damals so offen von ihren Erlebnissen erzählt – ich hätte ihr wahrscheinlich nicht geglaubt.“

Matthias Bongard, WDR Moderator

Der Debüt-Roman von Gabi Dallas

Nie weit genug


Will man an keinem Ort bleiben, muss man sich den Abschied zum Begleiter machen.
Er heftet sich wie ein Schatten an dich, jedes Mal, wenn du einen neuen Menschen kennenlernst. Kommt der Moment, wo du Adieu sagst, kriecht er dir von hinten kalt den Rücken hoch, schnürt dir die Kehle zu, damit du auch ja nichts sagst, nichts bedauerst. Doch gelingt es dir, ihn abzuschütteln, dich schnell zu entfernen, nur nach vorne zu schauen – dann bist du jedes Mal stärker, jedes Mal freier.

Figuren


hairflow

Marleen


Draufgängerin unterwegs

Ist es Sinnsuche oder beißendes Fernweh? Sehnsucht nach Liebe und Geborgenheit oder Hang zum Drama? Draufgängertum oder einfach nur die Notwendigkeit zu fliehen? Warum hält es sie nirgends, warum ist es nie weit genug? Wenn sie doch nur wüsste, was sie treibt. …

piano

Luke


Unwiderstehlicher New Yorker

Er liebt das freie Leben an der Westküste, seine Arbeit mit widerspenstigen Jugendlichen und das Singen in Pianobars. Sein Lächeln ist entwaffnend, der Ausdruck seines Gesichts offen und intelligent und ein Angebot, das von ihm kommt, unwiderstehlich. Eigentlich!

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Giuliana


Geheimnisvolle Freundin

Wie Kastagnetten begleitet das klackernde Stakkato ihrer Pumps die Italienerin auf Schritt und Tritt, bis in die finstersten Ecken der Stadt. Flatterhaft und verstörend haltlos ist Marleens neue Freundin von einem geheimnisvoller Zauber umgeben – und von jeder Menge dubiosen Gestalten.

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Die Clique


Keine Straße ist sicher

Ein aufgekratzter Parisien mit Hang zur Theatralik, zwei Partygirls aus Südfrankreich auf Männerfang und ein Träumer aus der Dordogne in zerschlissenen Jeans treffen auf Giuliana und Marleen. Frisbee im Park, Streifzüge durch Bars…

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Thierry


Alles wird sich ändern

Smaragdgrün schimmernde Augen, blauschwarzes Haar, aus dem das Wasser tropft, das Gesicht ernst, fast schon verschlossen. Beinah der perfekte Mann, wäre da nicht dieses dunkle Geheimnis, diese unsichtbare Last auf seinen Schultern. Man könnte glauben, ihm sei der Teufel auf den Fersen?

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Eva Stein


Wesen aus einer anderen Welt

Zart und zerbrechlich wie Porzellan, knorrige Hände, die Stimme gebrochen und das lange, schlohweiße Haar zu einem Knoten aufgetürmt herrscht sie über ihr verwunschenes Reich. Nicht mal der Krückstock kann über Scharfsinn und Zähigkeit der Alten hinwegtäuschen.

Orte

Mit dem »Alten« Richtung Süden


canada

British Columbia – Kanada

Die Luft war so klar, dass man meinte, sie trinken zu können. Am Horizont ragten Berge in gigantische Höhen … Kauend sah ich mich in der dämmrigen Landschaft um. Mir war mulmig bei dem Gedanken, hier draußen allein die Nacht zu verbringen.

flieger

Seattle

Meine Hand lag noch auf der Klinke, ich hatte die Tür zum Bad schon fast hinter mir zugezogen, als ich im Erdgeschoss eine fremde Männerstimme vernahm. „… ich mache drei Kreuze, wenn die Kleine erstmal im Flieger sitzt …“  Es war ein Hieb in die Magengrube, mir stockte der Atem.

pillen

San Francisco

Giuliana breitete eine Decke auf dem Rasen aus und kniete sich hin. Sie reckte den Hals und sah sich um, ob die Luft rein war. Dann zog sie ein Tütchen aus ihrer Handtasche. „Darf ich vorstellen: MDA – die Wahnsinns-Liebesdroge.“

mexico

Mexiko, San Blas

Die Farben leuchteten mit einer Strahlkraft, die ich nirgends sonst je gesehen hatte. Sie gehörte hierhin, in den Süden. Nicht nur den Pflanzen, auch den Mauern und Pflastersteinen, sogar dem Staub, der alles bedeckte, wohnte dieser ganz eigene farbige Schimmer inne.

hand

Mexico City

Eh ich mich versah stand ich im Freien. Auf einem Innenhof, der als Abstellplatz für Dutzende von Mülltonnen diente. „Husch, husch! Verstecken Sie sich! Ich rufe Hilfe, bin gleich wieder da!“ Hinter der Alten fiel die Tür zu und ich war allein. Gleißendes Sonnenlicht brannte auf den Hof.

moon

Puerto Escondido

„Was hat das zu bedeuten?“, brachte ich mit erstickter Stimme hervor. Er schluckte, suchte nach Worten. Endlich machte er einen Schritt auf mich zu und ergriff mit einem Räuspern meine Hand. „Das ist lange vorbei. Schwör, dass du nie darüber redest, wenn ich es dir erzähle? Du bringst mich sonst in Teufels Küche.“  Ich hielt den Atem an. „Schwör es!“, drängte er und ich merkte, wie ich die Lippen öffnete, um mein Wort zu geben.

waffe

Zipolite

Der Soldat drehte sich erneut zu seinen Leuten um. Was auch immer er sagte, es löste Gelächter bei den Männern aus … Bis auf Gewehrlänge kam er mir nahe, die Knarre jetzt auf mich gerichtet. „Now you!“, kommandierte er. Als ich begriff, was er forderte, wurde mir schwindelig.

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Das Wasser plätscherte mir um die Knöchel.
Ich zog mit den Zehen Furchen in den feuchten Sand und sah zu, wie der Alte die Oberfläche sofort wieder glatt strich. Der alte Pedant!

„Jetzt hast du dich ganz schön in die Scheiße geritten!“, kam er ohne Umschweife zur Sache.

Klack, klack, klack trommelte es hinter mir

Leseprobe


Am Ende der Haight Street bog ich in die angrenzende Straße ein. Es wurde düster und einsam um mich herum. Ein Frösteln überkam mich, bei Nacht machte die Gegend keinen einladenden Eindruck. Ich beschleunigte meinen Gang, eilte festen Schrittes den Hügel hinunter, der zur Market Street führte. Ein Betrunkener kam mir entgegengetorkelt, bald war er auf meiner Höhe. Ich spannte Schultern und Nacken an. Sollte ich umkehren, wenigstens bis zur nächsten Laterne? Würde ich ihn unnötig provozieren, wenn ich einen Bogen um ihn machte? Kurz entschlossen hielt ich geradeaus. Der Kerl schien mich gar nicht zu sehen, schimpfte unverständliches Zeug vor sich hin. Doch dann schwenkte er herum und stolperte, wie ein angezählter Boxer, in mich hinein. Von der Wucht seines Gewichts mitgerissen, krallte ich die Hände in seine Jacke, kämpfte dagegen an, zu Boden zu gehen, wollte ihn wegstoßen, doch er hielt mich fest. Noch im Straucheln traf mich sein Schlag in die Magenkuhle, hart und beißend fuhr mir der Schmerz durch die Glieder. Ich ließ los, hielt mir den Unterleib, die Luft blieb mir weg und ich ging in die Knie, hörte mich wimmern und röcheln. Es brauchte einen Moment bis der erste erlösende Atemzug in meine Lunge strömte, bis ich in der Lage war, mich aufzurichten und zu begreifen, was geschehen war. Noch stockte mir der Atem. Dann machte sich Panik breit, elektrisierte meine Sinne. Was kam als nächstes? War der Angreifer noch da? Ich wirbelte herum und sah, wie die Gestalt weiter oben den Berg hinaufwankte. Der Mistkerl hatte nicht mal mitbekommen, was er getan hatte. Du mieser Penner, hätte ich ihm am liebsten hinterhergebrüllt. Aber ich verkniff es mir, sparte mir den Atem. Was sollte das schon bringen? Bestimmt nichts Gutes. In der Dunkelheit blitzten weiße Zähne auf.

„Alles in Ordnung?“ fragte eine raue Stimme, jemand packte mich am Handgelenk. Wie aus dem Nichts waren zwei Schwarze neben mir aufgetaucht. Wo kamen die her? Bis eben war die Gegend verlassen, die Straße leergefegt gewesen.

„Geht schon wieder, ich bin okay“, stotterte ich und spürte mit Entsetzen, wie sich die Hand fester um meinen Unterarm schloss.

„Wo willst du denn hin, so ganz allein?“ Der Typ vor mir amüsierte sich, klang hämisch. Es war kein freundliches Lachen, der Mann bleckte die Zähne. Sein Kumpan drängte sich an mich und verströmte einen beißenden Geruch nach Schweiß. Ein Wort nur, ein winziges Zögern, und es war zu spät. Ich musste jetzt handeln! Sofort! Das begriff ich im Bruchteil einer Sekunde und entriss dem Mann meine Hand. Mit der Schnelligkeit und Kraft einer gehetzten Antilope rannte ich los, stürzte den Berg hinunter.

Das Überraschungsmoment verschaffte mir einen Vorsprung. Als wüssten sie, dass ich nicht weit kommen würde, verhöhnten die Männer meinen Fluchtversuch. Dann hefteten sie sich an meine Fersen. Dicht hinter mir hörte ich ihre Schuhsohlen hart und schnell auf den Asphalt schlagen. Kamen sie näher oder konnte ich den Abstand aufrecht halten? Ich rannte um mein Leben, wagte nicht, mich umzusehen. Nur nicht langsamer werden. Klack, klack, klack trommelte es hinter mir – dazwischen wilde Beschimpfungen. Die Typen meinten es ernst. Wenn ich ihnen in die Hände fiel, war ich verloren. Das jagte mir eine Höllenangst ein, neues Adrenalin schoss mir ins Blut. ‚Schneller, du musst schneller sein!‘ peitschte ich mich ans Limit.

Gabi Dallas

Gabi Dallas


Im Alter von 21 Jahren brach Gabi Dallas ihr Philosophie- und Germanistikstudium ab und begann eine zehnjährige Odyssee.

Mit gefährlicher Lust am Abenteuer und ohne Angst vorm Risiko bereiste sie Kontinente und Weltmeere, um Antworten auf die großen Fragen des Lebens zu suchen.

Unterwegs schlug sie sich mit Gelegenheitsjobs, Kunst und Straßenmusik durch und gründete in den karibischen West Indies, wo ihre handgemalten T-Shirts Kultstatus erlangten, eine Familie mit einem Rastafari.

Heute lebt die gebürtige Sauerländerin und Mutter zweier erwachsener Kinder wieder in Deutschland und ist glücklich neu verheiratet. Ihre Erwerbstätigkeit als Marketingfachfrau hat sie für das Schreiben und für die Musik an den Nagel gehängt. »Nie weit genug« ist der erste Roman der Autorin.

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